Der Ölbaum in Geschichte und Mythologie
Die Entwicklung der europäischen und orientalischen Kultur ist eng mit der Geschichte des Olivenbaumes verbunden.
Es ist nicht genau nachvollziehbar, wie es gelungen ist, aus dem wilden Ölbaum, dem Oleaster, durch sorgfältige Pflege, Zuchtwahl, Auspflanzen von Wurzeltrieben, Düngen, Beschneidung, Bewässerung und durch spätere Veredelung mittels Pfropfen den kultivierten Ölbaum zu züchten. Diese langwierige und komplexe Arbeit erschien bereits den früheren Nutznießern seiner Frucht als ein Werk, ja sogar als Geschenk der Götter.
Zur Zeit der altägyptischen Dynastien galt er als Geschenk der Gottesmutter Isis, in der griechischen Mythologie spielte er eine entscheidende Rolle in einem Streit rivalisierender Gottheiten:
Athene, die Göttin der Weisheit, der besonnenen Kriegsführung, der Künste und des Handwerks, stritt mit Poseidon, dem Gott des Meeres, um die Vorherrschaft in Attika. Nach einem Schiedsspruch von Göttervater Zeus sollte sie demjenigen zugesprochen werden, der dem attischen Volke etwas zu bescheren vermochte, das ihm von unvergänglichem Nutzen sein würde. Poseidon rammte seinen Dreizack in den Felsen, auf dem noch die Akropolis gebaut werden sollte, und erschloß so eine salzige Quelle. Eine symbolische Begründung der künftigen athenischen Seeherrschaft.
Athene pflanzte dort den Ölbaum, Träger einer lebensnotwendigen, vielseitig verwend- und verwertbaren Frucht: Lebensgrundlage und Begründung künftigen Reichtums. Damit hatte sie den Streit für sich entschieden. Der Olivenbaum der Akropolis verkörperte den Fortbestand der Stadt wie den Überlebenswillen ihrer Bewohner gleichermaßen: welches Zeichen der Hoffnung, als er nach dem Perserbrand wieder ausschlug!
Pallas Athenes mit Olivenzweigen geschmücktes Haupt auf dem Tetradrachmon, der Hauptwährung der antiken Welt im fünften vorchristlichen Jahrhundert, symbolisierte die wirtschaftliche Macht Athens, deren Grundlage das Öl bildete. Auf der Rückseite dieser Münze ist die Athener Eule mit einem früchtetragenden Olivenzweig abgebildet. Das Logo von Mani® - Olivenöl, eine Eule zwischen zwei Ölzweigen, soll auf diesen Mythos hinweisen.

Oliven, Früchte vom Baum des Lebens
Es gibt unzählige Belege für die vielfältige profane und kultische Verwendung des aus der Frucht des Olivenbaumes gewonnenen Öles in heidnischen Kulturen, im Judentum und im Christentum bei Homer wie im Alten und im Neuen Testament.
"Olea prima omnium arborum est."
Lucius Junnius Moderatus Columella, römischer Agrarexperte, 60 n. Chr.
"Die ganze Mittelmeerwelt - Statuen, Palmen, goldene Rosenkränze, bärtige Helden, Wein, Ideen, Schiffe, Mondlicht, geflügelte Gorgonen, Männer aus Bronze und Philosophen - alles reift im sauren beißenden Geschmack dieser schwarzen Oliven heran, der älter ist als der des Fleisches und des Weines - ein Geschmack, der so alt ist wie der des klaren Wassers."
Lawrence Durrell, 1938
"Der Ölbaum ist der Baum aller Bäume, ich liebe ihn. Er hat den Segen, die Stille. Als er sich ausbildete, hat er offensichtlich überhaupt nicht an sich, nur an den Menschen gedacht. Reine Sorge: Öl gegen den Hunger, Öl für den Körper, die Haut und die Haare, Öl für die Lampe als Licht, Öl als Träger von Duft, der Ölzweig als Friedenszeichen und Siegerpreis."
Erhart Kästner, 1953

