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Die Heimat der Mani® - Oliven

"Sehen Sie sich meine Ölbäume an! Wie schön werden sie durch die poetische Symbolik, die sie umgibt - und durch die platonische Idee der Olive! Sie ist Symbol für alles, lebendig durch die Kräfte der kultivierten Erde und durch menschliche Tugend."
Graf D. (Lawrence Durell, Schwarze Oliven. Korfu - Insel der Phäaken), am 15. 1. 1938

Obwohl die Heimat der Mani® - Olive nicht die von Lawrence Durrell so meisterhaft beschriebene Phäakeninsel ist, sondern eine abgeschiedene, karge Region des südlichen Peloponnes, sind die maniotischen Olivenbauern zu Recht nicht weniger stolz auf ihre Ölbäume als jener vom Dichter zitierte Aristokrat.

Kargheit ist grundsätzlich kein Erschwernis für das Gedeihen eines Olivenbaumes. An den Felsen des Taygetos Gebirges, weitab von Verkehr und Industrie, gedeiht auf mühevoll angelegten Terassen aus rotem Lehm und Stein nur noch der Olivenbaum.

Ausschlaggebend für die Qualität sind nicht nur Herkunft und Landschaft, sondern auch Pflege, Ernte, Pressung und Wartung.

Daher einige Informationen über die Produzenten, die bäuerlichen Bewohner und ihre Geschichte:

Kurzer historischer Exkurs

Sich zentralen Gewalten erfolgreich zu widersetzen, ist quasi gute, alte maniotische Tradition. Begonnen hat die Geschichte der Manioten im zweiten vorchristlichen Jahrtausend, als einige Spartaner in die Abgeschiedenheit dieser Region flüchteten, um dem Elend ihres Kasernen- und Polizeistaates zu entgehen. Nach dem unvermeidlichen, römischen Zwischenspiel, das aber keine dauerhaften Folgen zeitigte, erfolgte die Besiedlung durch slawische Stämme. Auch die Herrschaft der Franken war nur oberflächlich und hinterließ, abgesehen von einigen völlig überwachsenen Burgruinen (Megali Mani, Beaufort, Pessara ...), keine weitere Spuren. Die nachfolgenden Türken konnten die Mani nie gänzlich erobern, um sich ihre Bewohner gefügig zu machen.

Dafür erhielten die Manioten im 17. Jahrhundert Verstärkung durch kretische Flüchtlinge, die das Hochland besiedelten.

Die Türken versuchten mit einem geschickten, politischen Schachzug diesen gefährlichen Unruheherd in den Griff zu bekommen: Der Pascha von Tripolis ernannte den einflußreichen Clanchef Petros Mavromichalis aus Tzimova zum Bey über die Mani. Doch "Petrobey Mavromichalis", der sich mit unerschütterlichem Patriotismus der griechischen Sache verschrieben hatte, gelang es, die bis dahin rivalisierenden und gegenseitig sich bekämpfenden Clans zu versöhnen und gegen die osmanische Herrschaft zu mobilisieren. Auch die griechische Regierung der bayrischen Könige hatte ihre Probleme mit den freiheitsliebenden und selbstbewußten Manioten, wie zuvor Venezianer, Franken und Türken und später Deutsche und Italiener. Schließlich akzeptierten die Manioten die Teilung ihres Gebietes in einen lakonischen und in einen messenischen Verwaltungsbezirk, ohne ihre Identität aufzugeben.

Noch ein kulturgeschichtliches Detail: 1917 verweilte der griechische Nationaldichter Nikos Katzantzakis in der Abgeschiedenheit dieser mythischen und "heldenhaften" Landschaft und betrieb zusammen mit dem makedonischen Arbeiter Giorgis Sorbas ein Kohlebergwerk in der Bucht von Prastora.

Seine Erlebnisse und Eindrücke fanden ihren literarischen Ausdruck in dem weltberühmten Schelmenroman "Alexis Sorbas".

Das Projekt "Mani® Olivenöl"

"Dieses Gegengewicht, dieser Geist, der dem Leben Maß gibt, ist derjenige, der die lange Überlieferung dessen erfüllt, was man Sonnendenken nennen kann, in welchem, seit den Griechen, die Natur stets mit dem Werden im Gleichgewicht stand."
Albert Camus, Der Mensch in der Revolte, 1950

Als die Brüder Friedrich und Manfred Bläuel 1978 den Peloponnes bereisten, wurden sie dort mit der Lebensweise und den Problemen der überwiegend von der Landwirtschaft lebenden Bevölkerung konfrontiert. Friedrich Bläuel war vom einfachen Leben der Bauern so angetan, daß er beschloß, mit seiner Frau dort zu leben.


Manfred "Mani", Burgi & Fritz Bläuel

Es wurde mit einem Mut und einem Enthusiasmus, der selbst Katzanzakis' Helden alle Ehre gemacht hätte, ein Unternehmen gegründet, das sich als umweltfreundlicher als das Kohlebergwerk und wesentlich stabiler als dessen berühmte Seilbahn erwiesen hat.

Friedrich Bläuel motivierte die Bauern der Umgebung zum Zusammenschluß. Mit viel Einfühlungsvermögen gelang es ihm, sie davon abzuhalten, jene Fehler zu wiederholen, die schon in der sogenannten modernen Welt begangen wurden. Statt chemischer Pestizide setzt man hier biologische Geruchsfallen ein, die die Vermehrung gefürchteter Ölbaum-Schädlinge erfolgreich verhindern.

Die handgepflückten Oliven werden unverzüglich in der traditionellen Ölpresse weiterverarbeitet. Dieses Olivenöl höchster Güteklasse ist gegenüber dem raffinierten nicht nur aus kulinarischen Gründen vorzuziehen, sondern auch aus gesundheitlichen: es enthält eine Vielzahl natürlicher Schutzstoffe, darunter die herzschützende Substanz Oleuropein, die beim Raffinieren verlorengingen.

Zum Erfolg des Unternehmens dürfte auch die durch ihre Geschichte geformte Mentalität der bäuerlichen Produzenten beigetragen haben. Ein historisch bedingter Eigensinn, oft leichtfertig und zu Unrecht als provinzieller Starrsinn abgetan, war sicher auch mit Ursache für ihre Skepsis gegenüber "modernen" Produktionsmethoden, für ihre kritische Haltung gegenüber einer Vereinnahmung durch Agrarkonzerne und schließlich für die Begeisterung für dieses Projekt.

Begonnen hat es, glaubt man einer inzwischen häufig erzählten und vielzitierten "Firmenlegende", mit einem Transport von ein paar Blechkanistern, gefüllt mit kaltgepreßtem Öl aus der in der Gegend angebauten "Coroneiki" Olive, im eigenen PKW aus der Mani in die Heimatstadt, wo das kostbare Gut in Bierflaschen abgefüllt und handverkorkt im Freundeskreis weitergegeben wurde. Beim zweiten Transport benutzte man bereits die für Olivenöl geeigneten 0,5-Liter-Flaschen. Dabei soll der örtliche Pfarrer unwissentlich den Export vorfinanziert haben.

Heute verfügt Friedrich Bläuel zusammen mit seiner Frau über eine moderne Abfüllanlage mit Edelstahltanks, ein eigenes Chemielabor sowie über die für Transport und Vertrieb notwendige Logistik. Er beschäftigt über 20 Mitarbeiter, unter anderem zwei Agraringenieure und einen Lebensmittelchemiker.

1996 produzierte Bläuels Team bereits ungefähr 300 Tonnen biologisches Olivenöl, damals also nahezu 100% des aus Griechenland stammenden biologischen Olivenöls.

Unserem Bio-Oliven-Anbauprojekt sind mittlerweile um die 300 Landwirte in Messinias und Lakonia (Südpeloponnes) angeschlossen.

Dadurch werden über 340.000 Olivenbäume auf einer Fläche von insgesamt mehr als 1.500 ha biologisch bewirtschaftet. Der Einsatz organischer Düngemittel erspart der Region viele Tonnen chemischen Düngers, die sonst in Grundwasser und Meer geschwemmt würden - das bedeutet:

Aber das Projekt "Mani® Olivenöl" ist in seiner Gesamtheit mehr als ein ökonomisch erfolgreiches Exportunternehmen, das seine Kunden mit qualitativ hochstehenden Produkten versorgt. Es wird nicht nur dem wirtschaftlichen Aspekt Rechnung getragen, sondern auch dem ökologischen, dem sozialen, dem sinnlich-kulinarischen und dem medizinischen.

Das durch Exporte gesicherte Einkommen von 300 Bauernfanilien trägt nicht unwesentlich zur Stabilisierung der Dorfgemeinschaften bei. Es schafft vor allem für die jüngere Bevölkerung Anreize, in der angestammten Region zu verbleiben, wie auch die intakte Umwelt dem Tourismus förderlich ist, der zusätzlich Arbeitsplätze und Einkommen beschert. Dabei ist noch ein Konzept zu erstellen, eine Variante des "sanften" Tourismus zu entwickeln, in dem Respekt und Toleranz die Beziehung zwischen Gästen und Einheimischen bestimmen, das Maßnahmen gegen Grundstückspekulationen vorsieht und nicht zu unrealistischen Gewinnerwartungen verführt, die den Bauern dazu veranlassen könnte, seine Subsistenz, den Olivenanbau, zu vernachlässigen oder gar aufzugeben. Dafür gibt es bereits Ansätze; so ist die kleine Gemeinde Stoupa Gegenstand einschlägiger soziologischer Forschung. Da Ernte und Verarbeitung der Oliven außerhalb der Tourismussaison stattfinden, wäre eine sinnvolle Verbindung beider Wirtschaftszweige durchaus möglich.

Es ist sicherlich nicht übertrieben, zu behaupten, daß mit diesem beispielhaften Unternehmen, dem derzeit größten Bioprojekt Griechenlands, ein utopischer Horizont aufgerissen, zumindest ansatzweise jenes von Camus gepriesene mittelmeerische Denken, das Sonnendenken, realisiert worden ist.

Dieses Denken, die Verneinung des bürokratischen und abstrakten Zentralismus zugunsten der Wirklichkeit, das in der Geschichte der Region eine so wesentliche Rolle gespielt hat, verabscheut jegliche Maßlosigkeit, so auch die unkritische Befürwortung eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums, das weder ökologische noch soziale Rücksichten kennt; dessen Überlegenheit aber darin besteht,

"... die Vorurteile zu überwinden und zuvorderst das tiefste und unglücklichste von ihnen, das besagt, der von Maßlosigkeit befreite Mensch sei auf eine dürftige Weisheit beschränkt."

So haben uns die Mani® - Bauern gelehrt, daß der Olivenbaum keine beliebig manipulierbare "Fruchtmaschine", die Herstellung des Öls nach traditioneller Methode kein weltfremder Anachronismus und die konkrete Verwirklichung ökonomischer, ökologischer und sozialer Zielsetzungen durch genossenschaftliche Organisation der Bauern keine Utopie ist.